Freitag, 12. September 2008

Taiwan- eine Reise in das andere China, die Republik China (ROC)

Taiwan- eine Reise in das andere China, die Republik China (ROC)

Taiwan ist eine ferne Insel in Ostasien, etwa so groß wie Baden-Württemberg, mit einer komplizierten Geschichte .
Zuerst lebten nur acht verschiedene Gruppen von Ureinwohnern dort, die vor ca. 10000 Jahren aus Polynesien einwanderten und deren Sprachen und Gebräuche sich sehr voneinander unterschieden.
Im 15. Jahrhundert gab es eine erste Flüchtlingswelle aus Südchina.
Die ersten Europäer kamen 1590 aus Portugal und nannten die Insel wegen Ihrer Schönheit „Ilha Formosa“ and reisten weiter nach Japan. Bald danach kamen die Niederländer, die Festungen und Handelsstützpunkte bauten und in Taiwan siedelten. Die Niederländer wurden von einem General der Ming- Dynastie aus China besiegt. Dieser General baute Taiwan zu seiner militärischen Basis aus, um gegen die ausländische Regierung der Qing- Dynastie zu kämpfen. Das von dem General gegründete Dong- Ning Reich(Östlicher Frieden) bestand nicht lange, 1683 wurde das Reich von der letzten chinesischen Dynastie, der Qing- Dynastie besiegt.
200 Jahre später, im Jahr 1895 kam Taiwan laut dem Vertrag von Shimonoseki unter japanische Herrschaft, weil China den Krieg gegen Japan verlor.
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verzichtete Japan auf seine Herrschaft in Taiwan. Die von Chang Kai Shek geführte Regierung der Republik China (gegründet 1911) übernahm Taiwan und flüchtete nach der Niederlage im Bürgerkrieg gegen Mao Zedong nach Taiwan.
Seit 1949 überlebt die Republik China auf Taiwan und vertritt das ganze China in den Vereinten Nationen bis 1971. Taiwan ist heute eine sehr lebendige Demokratie. Die Taiwaner sind ein sehr innovatives, geschäftiges und gutes Essen liebendes Volk.

Also, wie gelesen, die Geschichte Taiwans kurz zu fassen ist nicht leicht.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Letzten August war ich für drei Wochen in Taiwan und habe dort mit meiner Freundin Pei eine Rundreise um die Ilha Formosa (die schöne Insel, wie die Portugiesen sie genannt haben) gemacht.
Taiwan hat bei mir einen so sympathischen Eindruck hinterlassen, das ich ein klein wenig über die Reise und meine Go-Erlebnisse schreiben möchte.
Ein Taifun, der Taiwan am Tag meiner Ankunft erreichen sollte, hätte beinahe zu einem unfreiwilligen Aufenthalt in Hongkong geführt. Aber beim Anflug auf den Taoyuan International Airport schien noch die Sonne. Meine Freundin Pei holte mich ab und als wir eine halbe Stunde später im 36. Stockwerk des Taipei 101 waren, begann es auch schon zu regnen und zu stürmen.
Hier im Taipei 101 fand am 17. August das Finale der 3rd International CMC Go-Weltmeisterschaft statt. Pei hatte ein Interview mit den beiden stärksten taiwanischen Spieler Zhou Jun Xun 9Dan und Lin Zhi Han 8Dan organisiert.
Das Interview wurde in der letzten Go Zeitung abgedruckt.
Die weitere Reise führte mich in das pulsierende Taipei, einer rund um die Uhr lebendigen Stadt mit absolut leckerem Essen, faszinierenden Nachtmärkten und einem Stadtverkehr mit von Scootern gefluteten Strassen, die einem Europäer einiges abverlangen.
Das Essen gehört zu den wichtigsten Dingen in Alltag von Taiwan und ist an sich schon die Reise wert, denn regionale Küchen aus ganz Festland- China, sowie die 50-jährige japanische Besatzungszeit und die Ureinwohner haben eine Speisekarte geschaffen, die seines Gleichen sucht und einen mit Imbissen und sehr guten und günstigen Restaurants an allen Ecken der Insel verführt.

Als Go-Spieler hatte ich natürlich auch einige schöne Erlebnisse. Bei unserer Umrundung Taiwans kamen wir an der Ostküste Taiwans nach Hualien, einer kleinen ruhigen Stadt, schön gelegen an einer tollen Küstenlandschaft.
Hier hatte ich mein erstes Go-Erlebnis. Auf dem Weg zum Essen kamen wir an einer Go-Schule vorbei , der ich , während die anderen schon mal zum Essen gingen, einen Besuch abstattete. Der Leiter der Schule, Herr Jiang war sehr nett und lud mich kurzerhand zu einem kleinen Spielstärkentest ein, der auch tatsächlich meine reale Spielstärke wiedergab, was mich beruhigte. Er testete mich aber nicht am Brett, sondern schaltete seinen Computer an und projizierte per Beamer Probleme an die Wand. Herr Jiang unterrichtet hauptsächlich mit dieser Methode. Schon toll , wenn man als Go-Lehrer solche Möglichkeiten hat. Abends setzte Pei mich noch einmal bei dieser Schule ab und Herr Jiang freute sich sehr, brachte einen Tee. Kurze Zeit später hielt ein Scooter und hinter dem Fahrer stieg ein Junge ab und kam in die Schule. Herr Jiang hatte kurz zuvor mit ihm telefoniert. Ein 14-jähriger Junge, der auch 3kyu spielte und gegen den ich meine erste Go Partie in Taiwan spielte und verlor. Einige ältere Go-Spieler kamen und ich verlor noch eine gegen einen Dan Spieler, gegen den ich aber nicht die mir zustehenden Vorgabe bekam. Danach haben wir noch über das Go-Leben in Europa und Deutschland geredet.
Ein paar Tage später waren wir in Taichung an der Westküste und besuchten dort das Taichung Go Promotion Center von Herrn Tsai.
Im Erdgeschoss befanden sich die Unterrichtsräume mit den einfachen Brettern, die fest an den Tischen montiert waren, während oben die schönen Go-Tische bereit standen. An dieser kleinen Go-Schule wird auch noch chinesisches Schach unterrichtet. Ich fragte Herrn Tsai, warum er Go-Lehrer geworden sei, worauf er lächelte und sagte, es sei alles Bestimmung und Schicksal. Er mache die Schule seit vier Jahren. Er glaubt, Go hilft dem Land, der Wirtschaft und hält den Kopf jung.
Wieder zurück in Taipei habe ich den Taiwan Go-Verband besucht und erlebt , wie hier die jungen Insei-Schüler unterrichtet werden.
In der Nähe gab es noch drei andere, private Go-Schulen, bei denen auch reger Betrieb war. Go hat in Taiwan ein gutes Image und viele Eltern schicken ihre Kinder auf diese Go-Schulen.
Mein Go-Highlight sollte aber erst noch kommen.
In einen kleinen Park in Taipei habe ich mich mit Paul Tsai, einem Go-Spieler, den ich auf KGS kennen gelernt hatte, getroffen. Schon vor der Reise haben wir uns sehr auf dieses Treffen gefreut. In einer Ecke des Parks gab es kleine Pavillons für die chinesischen Schach- und Go-Spieler und da es abends erst angenehm mild wird, kommen die Spieler erst nach 20 Uhr und spielen dann bis spät in die Nacht.
Herr Tsai hatte mein Kommen schon angekündigt und so wussten die anderen Spieler, das ich Go-Spieler war, brauchte also nicht lange auf ein Spielchen warten. In der Nähe gab es eine Gruppe, die Tai- Chi Übungen machte und eine Fächertanzgruppe, Kinder und Jugendlichen spielten und wuselten auf Skateboards und Rollern zwischen den Akteuren.
Mein Freund kam erst später und so konnte ich unter den Augen zahlreicher Kiebitze und deren Kommentaren, die nicht so laut und energisch waren, wie ich sie durch Beschreibungen anderer China Reisenden erwartet hatte, mit anderen Spielern ein paar Partien zu spielen. Paul lud einen Freund, Pei, die etwas später gekommen war, und mich zum Essen ein.
Pei hat mich danach noch auf ihrem Motorroller zu meinen Gastgebern gebracht. Es sollte nicht meine letzte Fahrt auf einen Scooter werden, die durch Taiwan brausen. Es gibt über 10 Millionen von denen, bei einer Bevölkerung von 24 Millionen.
Später fuhr ich noch mal zu diesem schönen Park und spielte einige spannende Partien.

Go ist eine große intellektuelle Herausforderung, ein toller Turniersport, schöne Freizeitbeschäftigung, mit einer weiten und tiefen Philosophie, aber wesentlich sind die Go- Spieler selber, die das Spiel zusammenbringt und die Freundschaften, die die Begegnung am Brett ermöglicht.
In diesem Bericht fehlen jetzt die faszinierende Ostküste, mit der Taroko-Schlucht, mit ihren Wolken verhangenen Bergen und kleinen Tempeln, die unzähligen und sehr verzierten taoistischen Tempel, das Palastmuseum im Taipei,, ein „must-see“. Das Palastmuseum beherbergt hauptsächlich die Schätze und Sammlungen, die Tschiang Kai Shek aus der verbotenen Stadt in Peking vor den Kommunisten gerettet hat. Dort habe ich einen internen Wettbewerb beim auffinden von Go Motiven mit 17:4 gegen Pei verloren. Tja, immerhin 21 Motive gibt es, wenn nicht noch mehr, möge mir der geneigte Leser eine höhere Zahl mitteilen, wenn ihn das Schicksal einmal dorthin verschlägt.

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